Inhalt:

1.  Pressemitteilung der "Konzertfreunde der Stadthalle", 17.01.2020
2. Vortrag der "Konzertfreunde der Stadthalle" bei der SPD Südwest am 14.01.2020, Präsentation von
     Albertus Bujard
3. Zusammenstellung: Entstehung akustisch schlechter Plätze beim W&W-Konzept
4. Definition eines "Optimierten-Ist-Zustands" durch die "Konzertfreunde der Stadthalle"
5. Ausführliche Darstellung unserer Position

Siehe auch unter Aktivitäten: Eingangsstatement von Albertus Bujard beim RNZ-Forum zur Zukunft der Stadthalle am 17.02.2020


Pressemitteilung der Konzertfreunde der Stadthalle 

Die Sanierung des Großen Saals - eine Kulturfrage  


Wie kein anderer Saal verkörpert der Große Saal der Stadthalle Heidelberger Tradition. Er ist 
ein Ort der Identifikation. Für unzählige Menschen ist er ganz besonderer Erlebnis- und Erin- 
nerungsraum, der sie ein Leben lang begleitet und erinnert an Tanzschule oder Sinfoniekon- 

zert, TRABÜBA oder GEIST-Heidelberg, Enjoy Jazz oder Politkabarett, Bürgerversammlung 
oder Heidelberger Frühling, Parteitage oder Freiwilligenbörse u.v.a.m.  


Mit keinem Raum identifizieren sich die Heidelberger so sehr wie mit dem Großen Saal der 
Stadthalle! 


Nun soll der uns allen so vertraute und von vielen Orchestern geschätzte Saal gravierend ver- 
ändert werden – ausgerechnet für Orchesterkonzerte: Um bis zu 1,3 m sollen die Sitzreihen in 

der Parkettmitte abgesenkt werden. Das erfordert Wände mit einer Höhe von 0,9 m bis 2,0 m 
als Absturzsicherung für die nicht abgesenkten Sitzplätze im Seitenparkett. Diese Wände be- 
und zerschneiden die Weite des Saales und verändern die Raumwirkung entscheidend. Das 
Orchesterpodium wird ebenfalls abgesenkt und in Richtung Saalmitte verschoben, damit auch 
große Orchesterbesetzungen möglich werden. Wegen des tiefergelegten Podiums müssen die 

Sitzreihen auf den Balkonen wesentlich steiler angeordnet werden, damit das Orchester wie 
heute zumindest teilweise sichtbar ist. Während der abfallende Boden im Parkett und das Or- 

chesterpodium für die anderen Saalnutzungen wieder auf das heutige Boden-Niveau zurück- 
gefahren werden können, bleibt die Steilheit der Balkonbestuhlung eine dauerhafte bauliche 
Veränderung. Eine solche irreversible Maßnahme ist aus Denkmalschutzgründen höchst prob- 

lematisch. 


Heidelberg als eine der wenigen Städte, die von Kriegszerstörungen verschont geblieben sind, 
hat bereits viele seiner historischen Orte verloren, verändert, zweckentfremdet oder zerstört: 

das Capitol, das Hallenbad, den alten Theatersaal. Jetzt soll auch noch in den Großen Saal 
der Stadthalle eingegriffen werden. Hier haben wir ein kulturelles Erbe zu verteidigen, das 

nicht ohne Not zerstört werden darf. Eine – wenn auch teilweise rückbaubare – Veränderung 
im Großen Saal verbietet sich aus kulturhistorischen Gründen, zumal  „die Stadthalle mit ihrer 

Ausstattung als ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ (Landesdenkmalamt) gilt. 


Die bauliche Struktur eines historischen Gebäudes darf nicht durch unangemessene Nut- 
zungsansprüche überfordert werden. Für große Orchester bietet es sich an, den großen Saal 

(1.800 Sitzplätze) im neuen Konferenz-Zentrum akustisch zu ertüchtigen, anstatt eine histori- 
sche Struktur mit den ihr eigenen Grenzen und Möglichkeiten zu vergewaltigen. 


Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, das barocke Schwetzinger Theater aus Nützlich- 
keitserwägungen zu modernisieren – etwa durch Absenkung des Parketts. Die dortigen Defizi- 

te müssen eben hingenommen werden mit Rücksicht auf die Bewahrung eines kulturellen 
Vermächtnisses. 


Unser historisches Erbe zu erhalten ist also eine Frage der Kultur, keine Frage des Geldes, 
des Zeitgeschmacks, der Vorliebe einzelner Personen oder des Für und Wider von Hubpodien.  


Wir hoffen weiterhin, dass Heidelberg eine Stadt der Kultur bleibt und den Großen Saal der 
Stadthalle ohne Zerstörung des Raumgefüges sensibel saniert. Der von den „Konzertfreunden 
der Stadthalle“ vorgeschlagene „Optimierte IST-Zustand“ erfordert keine Eingriffe in die Bau- 
struktur oder dauerhafte bauliche Veränderungen. Die akustischen Verbesserungen sind die 

gleichen und ersparen uns den geplanten massiven Eingriff.  


Das uns anvertraute historische Erbe zu bewahren ist eine Kulturfrage ersten Ranges. Wir, die 
„Konzertfreunde der Stadthalle“, diskutieren die Sanierungsfrage auf einer anderen Ebene als 

die Hubpodien-Fans. Wir wollen einen Ort Heidelberger Tradition und Identifikation erhalten – 
auch für die Liebhaber klassischer Musik – das ist unser Antrieb.  


„Konzertfreunde der Stadthalle“ 17. Jan. 2020 


Vortrag und Diskussion am 14.01.2020

bei der SPD Heidelberg Südwest mit Vorstellung der Position der "Konzertfreunde der Stadthalle"

Präsentation unserer Positionen durch Alt-Stadtrat Albertus Bujard:

Zusammenstellung: Entstehung akustisch schlechter Plätze 

beim Umbaukonzept von Waechter&Waechter

3. Summe:

 

Aufsummiert ergeben sich neu 130 + 86 = 216 akustisch schlechte Plätze.

Bei einer Gesamtanzahl von 1031 Plätzen in der Konfiguration „Konzert“ (W&W, S. 7) sind das 20,9% aller Plätze.

OPTIMIERTER IST-ZUSTAND

Die Inititiative "Konzertfreunde der Stadthalle" befürwortet die notwendige Sanierung der Stadthalle. Dies sollte mit Gespür für das denkmalgeschützte historische Erbe geschehen. Deshalb fordern wir seit langem, gemeinsam mit Architekt, Akustiker und Vertretern der "Konzertfreunde" das Konzept eines optimierten Ist-Zustandes zu entwickeln und dies dem Waechter-Konzept gegenüberzustellen. Am 10.07.2019 wurde dies vom Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner mündlich zugesichert; demnach sollten die vom Gemeinderat in den Experten- und Nutzerkreis berufenen Mitglieder der "Interessengemeinschaft Kultur- und Konzerthaus" (siehe: "Über uns", klicken Sie hier) das so gewonnene Ergebnis im HAFA vorstellen. Diese Zusage wurde nicht erfüllt; wir stellen daher hier die grundsätzlichen Ziele vor.

Wesentliche Merkmale des zu entwickelnden Optimierten IST-Zustands im Großen Saal:

  • Annähernde Gleichwertigkeit der Akustik im bisher unvollständig entwickelten Optimierten IST-Zustandes mit den Akustik- Werten des Waechter-Konzeptes (z. B. Nachhallzeiten identisch). Weitere Verbesserungen möglich
  • Beseitigung aller die Akustik verschlechternden Materialien (Vorhänge, Teppichböden etc.)
  • Neue akustik-optimierte Bestuhlung, evtl. in neuer Anordnung
  • Schallreflektoren und akustik-verbessernde Wandmaterialien – wo immer sinnvoll
  • Vergrößerung des Saalvolumens durch Öffnung der Decken über den Seitenbalkonen, die Zustimmung der Denkmalbehörden vorausgesetzt
  • Maßvolle Erhöhung der hinteren Parkettreihen unter dem Mittelbalkon durch geeignete Maßnahmen
  • Bühne bleibt im Wesentlichen an gewohnter Stelle, erhält aber flexibel einsetzbare Hubböden
  • „Ungünstige Klangverhältnisse“ neben und hinter dem Orchester werden vermieden
  • Maximale Barrierefreiheit auf ebenem Saalboden
  • Kürzere Bauzeit, da z. B. der Saalboden nicht wie beim Waechter-Konzept abgerissen werden muss 
  • Raumgewinn im Kellergeschoss, weil der Saalboden nicht wie im Waechter-Konzept abgesenkt werden muss
  • Keine Beschädigung der denkmalgeschützten, historischen Bausubstanz 
  • Erhalt der von Besuchern, vielen Orchestern und Interpreten geschätzten festlichen Atmosphäre und des traditionellen Ambientes


Die geplanten massiven Umgestaltungen widersprechen u.E. dem Denkmalschutzgesetz (DschG § 2(1)), in dem
"die Erhaltung von Sachgesamtheiten, an denen ein öffentliches Interesse besteht" zugesichert wird.

Wir betrachten die Heidelberger Stadthalle und insbesondere den Großen Saal als eine solche "historische Sachgesamtheit, die im Interesse der Öffentlichkeit zu erhalten ist". Der „Architekturführer Heidelberg“ beschreibt die Stadthalle als Denkmal von "besonderer nationaler kultureller Bedeutung". Die Sachgesamtheit gemäß §2 (1) besteht nach unserer Auffassung in dem weitgehend erhaltenen Äußeren des Gebäudes, der historischen inneren Gebäudestruktur, der Innenarchitektur, Struktur und Dekoration des Großen Saales, der Orgel und der historischen Raumakustik. Hinzu kommt gemäß §2 (2), die als Zubehör mit der Hauptsache eine Einheit von Denkmalwert bildende historische Bestuhlung des Ranges. 

Zu der o.g. Sachgesamtheit gehört auch die Voit-Orgel. Sie ist Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes „Orgelbau- und -musik“. Der damalige Universitäts-Musikdirektor Prof. Philipp Wolfrum konzipierte Orgel und Bühne als unauflösliche Einheit.

Detaillierte Erläuterungen zu unserer Position finden Sie unten sowie unter "Aktivitäten", so z.B.eine Analyse des Müller-BBM-Akustikutachtens vom 18. Dez. 2018.  

Ausführliche Darstellung unserer Position

1.    Ertüchtigung der Stadthalle

Wir stehen zu 100% hinter einer Ertüchtigung der Stadthalle. Allerdings befürworten wir einen OPTIMIERTEN IST-ZUSTAND, der die Schönheit und das historische Erbe des Großen Saals erhält, die Risiken bezüglich Statik, Bauzeit und Investition minimiert und eine bestmögliche Akustik erreicht.

2.    Die prinzipielle Ablehnung der gewaltsamen Veränderung eines denkmalgeschützten Raumes in Heidelberg  

·        der erneute Verlust von bedeutsam er historischer Substanz in Heidelberg
·        der massive bauliche Eingriff in einen historisch intakten Raum 
·        die damit verbundenen baulichen Risiken 

·        der Stilbruch durch eine neue Raumkonzeption und Sitzplatzkonfiguration

3.    Die Schwächen des Waechter – Konzeptes 

·        die Behinderten-unfreundlichen ansteigenden/ abfallenden Sitzreihen im ganzen Saal
·        die erneute Vielzahl von Plätzen mit schlechter Akustik (seitlich und hinter dem Orchester) 
·        die noch geringen Vorteile der Waechter-Akustik gegenüber einem - noch gar nicht ausgereizten Optimierten
         Ist-Zustand
·        die noch nicht zu erfassende Wirksamkeit der Seitenschallreflektion bei noch unklarer Orchestertopographie
·        die noch nicht publizierte Geometrie der Sitze und Abstände zwischen den Sitzreihen (Beinfreiheit der Zuhörer)
·        der Wegfall vieler Stehplätze
·        die hohen Investitions- und Folgekosten und ein unklares Kosten- und Nutzenverhältnis – auch angesichts der             Tatsache, dass eine erstklassige Akustik allein wegen des bestehenden begrenzten Raumvolumens generell 
         nicht erreicht werden kann
·        die weit über den ursprünglich angesetzten Kostenrahmen hinausgehenden Gesamtkosten bei gleichzeitigem
         Hinweis auf derzeit übliche, ganz erhebliche Preissteigerungen (30%)

4.    Der Umgang mit dem Experten- und Nutzerkreis / IG Ku&Co 

·        die Aufforderung zur Mitarbeit
·        der Auftrag des GR an den E&N-Kreis
·        die Verzögerungsstrategie Schiemers: Abwarten! - mit Verweis auf begrenzte Finanzen, noch fehlende Pläne, 
         Rücksichtnahme auf die Sponsoren und ihn selbst
·        Schweigeverpflichtung des E&N-Kreises   
·        Bildung eines kleineren Nutzerkreises - nur der Befürworter. 
·        Die Ausarbeitungen der IG werden nicht thematisiert und laufen ins Leere.
·        die Verzögerung durch die Bürgermeister: 
         Heiß:     Abwarten! bis September
         OB:       Abwarten! aber Zusage einer Präsentation der IG vor dem HAFA; 
         Zusage der Weitergabe der Pläne an die IG
         Fachgespräch zugesagt, avisiert für Juni, Angebot für Termine aber erst im September, Fachgespräch
         schließlich 1 Tag vor HAFA
 
Ergebnis: trotz anderslautender Zusagen nur späte Teileinsicht und keine Möglichkeiten der Einflussnahme innerhalb der Gremien und über die Öffentlichkeit!
 
Fazit: Die Einbindung der IG hatte Alibi – Funktion und diente mehr dazu, sie mundtot zu machen. Ihre Forderung der alternativen Planung eines Optimierten-Ist-Zustandes wurde zwar gehört, aber nicht ernsthaft weiterverfolgt. Die Simulation des OIZ durch den Akustiker fällt, da vorher nicht genauer definiert, vordergründig schlechter aus. (siehe Präsentation)

5.    Die Information der Bevölkerung

·        Nach anfänglichen Abbildungen des ‚Weinbergs’ in den Medien und den darauf folgenden ablehnenden    
         Leserbriefen findet kaum noch eine Berichterstattung statt. 
·        Bis heute wird keine aktuelle Abbildung des künftigen Saales veröffentlicht! Warum eigentlich? 
·        Wenige Berichte beruhigen mögliche Kritiker: „Der Weinberg ist vom Tisch“. Statt Information finden 
         Stillschweigen und Verschleierung statt.
·        Die Stadt hatte lange Zeit selbst keine detaillierten Vorentwurfspläne, daher kann sie auch keine verlässlichen 
         Materialien an die Öffentlichkeit geben.
·        Die RNZ kann nur wiedergeben, was Herr Schiemer erklärt. Eine kritische Berichterstattung bleibt ihr dadurch 
         weitgehend verwehrt. Sie muss sich auf Leserbriefe bzw. Redaktionsgespräche beschränken.
         Nachdem in der entscheidenden Phase vor der Beschlussfassung des HAFA keine verlässliche Informationen  
         vorlagen, kann sich die Öffentlichkeit im Nachhinein (ab November) per Bauwagen darüber informieren, was 
         bis jetzt geplant ist. Wie die weitere Detailplanung während der Umbauphase ausgefallen ist, wird man wohl 
         erst bei der Wiedereröffnung erfahren.

6.    der Umgang der Stadt mit dem HAFA   

·        die kurzfristige Information (Tischvorlage)
·        die kurzfristige Beschlussfassung über Vorentwurf, 9,9 Mio. Mehrkosten, Aussicht auf weitere 30% 
         Kostensteigerung
·        keine ausführliche Diskussion der Präsentationen und der umfänglichen Unterlagen

7.    Begründung der IG bzw. Musikfreunde der Stadthalle für ein Weitermachen auch nach dem HAFA-Beschluss:

·        die Information der Öffentlichkeit über das, was derzeit in der Stadthalle geplant ist
·        die Information der Öffentlichkeit über die von Anfang an einseitige kompromisslose Verfolgung des Waechter-
         Umbaukonzeptes
·        der Versuch, die Stadthalle doch noch vor einer nicht ausreichend begründeten, dauerhaften Veränderung zu 
         bewahren
·        der Versuch, die politischen Entscheider (HAFA/OB) zu einer kritischen Auseinandersetzung zu bringen
 
Option: Aufruf, sich dem Offenen Brief anzuschließen!
 

8.    Die Anforderungen der IG Ku&KO zur Renovierung der Stadthalle

 siehe Übersicht des Experten- und Nutzerkreises

 
 

9.    Der Optimierte-Ist-Zustand des Großen Saales nach unseren Vorstellungen

 
Vorteile der Stadthalle ohne Hubböden:
—  Raumvolumen unter der Halle bleibt für techn. Systeme erhalten und das Rondell (+Bäume etc.) im Osten der
       Stadthalle muss nicht abgerissen werden.
—  Saal bleibt behindertengerecht im ganzen Parkett
—  Kaum Risiken bezüglich Denkmalschutz, Statik, Kosten sowie Folgekosten.
—  Kaum Risiken eines Zeitverzugs der Ertüchtigungsarbeiten
—  Festliche Atmosphäre im Saal wird erhalten.
—  Keine Verschlechterung der Direktsicht zum Podium von den Balkonseiten

Definition des Optimierten-Ist-Zustands von Ku&Ko:

·        Verbesserung der Sitze:
         a) Neue Bestuhlung für bessere Akustik
         b) Wegfall des Mittelganges, dadurch eine größere Zahl von besseren Sitzen im Parkett
         c) Wegfall des Steuerpultes auf dem oberen Rang Mitte, ersetzt mit sehr guten Plätzen
         d) Eventuell Erhöhung der Sitzreihen in der Mitte und den Seiten des Balkons wie historischer Zustand, ohne 
             aber Spiegelwände zu bedecken, die für Akustik wichtig sind
         e) zwei flache transportable Podeste( 2 x 20 cm)  im hinteren Bereich des Parkett zur Verbesserung der Sicht
·        Modulare dynamische und transparente Reflektoren seitlich vom Orchester sowie an der Decke zur besseren
         Beschallung der Seitenplätze unter und auf den Balkonen.
·        Öffnung des Saalraumes nach oben im Rahmen des Denkmalschutzes zur Verbesserung der Akustik   (gleiche
         Maßnahmen wie im WW-Konzept)                                                                                   
         (Bereits jetzt zeigt Akustik-Gutachten vom Juli 2019, dass der Nachhall ebenbürtig ist wie im W&W-Konzept)
·        Schalldämmung: Dreifach-Verglasung nach außen, um Straßenlärm abzuhalten, eventuell auch teilweise im
         Innenraum
·        geräuschärmere Lüftungsanlage
·        Verwendung von akustisch günstigen Materialien
·        Entfernung ungünstiger Materialien, z.B. Teppichboden

Behindertengerechte Plätze und Zugänge, auch von der Straße und vom Parkhaus
Neue innere Transportwege wie vorgesehen vom Osten zum Westen der Stadthalle

Siehe dazu auch:
 
Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik im Großen Saal nach Gutachten Müller BBM

Die von Müller – BBM durchgeführte Machbarkeitsstudie erfolgte gezielt als Grundlage für die Planung der Umbaumaßnahmen des Großen Saales nach der Konzeption von Waechter und Waechter , nicht jedoch für einen zu optimierenden Ist – Zustand.
Dennoch lässt sich mit den dort beschriebenen Verbesserungsmaßnahmen eine schrittweise Optimierung realisieren. Wir (IG) befürworten Maßnahmen dieser Art bzw. haben sie bereits selbst vorgeschlagen, da sie nicht in die historische Substanz eingreifen.

Problemstellungen und Maßnahmen

1. Schallabsorption durch Personen:   „Reduzierung der Zuhörerkapazität,“
     z.B. durch Reduzierung von ohnehin schlechten Plätzen oder von Stehplätzen (IG)

2. Schallabsorption durch das  Absorptionsvermögen der bestehenden Bestuhlung,   
    Verbesserung der Nachhallzeit zu den tieferen Frequenzen:   „vollständige Erneuerung   
    der Bestuhlung bei Verwendung einer raumakustisch optimalen Konzertsaalbestuhlung“

3. Schallabsorption, Verbesserung der Nachhallzeit zu den höheren Frequenzen:
    Entfernung der im Rang verlegten Teppiche, der vorhandenen Vorhänge (soweit möglich – IG) und  „der zum Teil   
    absorbierend wirksamen Verkleidungen in Teilbereichen der Wände“

4. frühe Reflexion des Schalls insgesamt und insbesondere für die Plätze auf und unterhalb des Ranges:   
    Maßnahmen zur Reflexion von der Decke und von den Seitenflächen und Maßnahmen für frühe Schallrückwürfe
    auf das Podium

5. Senkung des Störungsgeräuschpegels: verbesserter baulicher Schallschutz nach innen gegen Geräusche von
    außerhalb des Saales (von der Straße, von angrenzenden Raumbereichen etc.) – innen durch Vermeidung von
    Betriebsgeräuschen technischer Einrichtungen , z.B. durch die Erneuerung bzw. „Anpassung der Lüftungsanlage“
    und durch die „separate Belüftung der Orgel“

6. Volumenvergrößerung des Saales bzw. Vermeidung  von Volumenreduzierung: 
     Vermeidung eines extrem überhöhten Anstiegs auf dem Rang (IG) und
     einer „fest installierten Regiekabine auf der Mitte des Ranges“. – „Ankoppelung der seitlichen Dachraum-
     bereiche“     
     Entwicklung von Alternativen zur Reduzierung des Saales durch einen abgetrennten Durchgang auf der Rückseite,
     notfalls auch durch Baumaßnahmen außerhalb. (IG)

7. gegenseitiges Hören der Orchester- und Chormitglieder:  „durch in Höhe und Neigung justierbare
    Schallreflektoren“, Deckenreflektoren.

8.  Verbesserung der Orchestertopographie:  durch „Höhenstaffelung des Podiums“

9.  Verbesserung der Akustik und des Schallschutzes: durch ein „optimales Materialkonzept"


Anhang:
 
Pro :  Optimierter Ist – Zustand

Der Erhalt des Großen Saales in seiner jetzigen, größtenteils historischen Form ist einem Umbau vorzuziehen:

Die besondere Bedeutung von Stadthalle und Großem Saal:

·        Der Große Saal ist der einzige Saal dieser Art in Heidelberg, der in der jetzigen Gestalt fest im Bewusstsein aller Heidelberger verankert ist. Vielen ist er bereits seit der Jugend vertraut, denn kein anderer städtischer Raum wird so vielseitig genutzt und steht daher jedermann offen.
Mit keinem anderen städtischen Raum können sich die Bürger so identifizieren wie mit der Stadthalle bzw. dem Großen Saal. Umbauten wie die in der Friedenskirche oder im alten Theatersaal zeigen, welche negativen Folgen solche Eingriffe haben können.

·        Als historisch weitgehend intakter Raum hat der Große Saal in Heidelberg ein absolutes Alleinstellungs-merkmal. Weit weniger geräumig, frequentiert und in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind dagegen die ebenfalls historischen Säle ‚Prinz Carl’ und die ‚Alte Aula’.  Es gibt also keinen vergleichbar bedeutenden Saal.

·        Der Große Saal ist in einen weitgehend historischen Kontext eingebunden. Modernisierungen im Gebäude wie z.B. ein Fahrstuhl werden nicht als ‚Fremdkörper’ wahrgenommen, da ihr Vorhandensein erforderlich ist.
Saal und Gebäude werden in ihrer historischen Form als Einheit empfunden, in die an keiner Stelle ohne zwingende Notwendigkeit eingegriffen worden ist.

        Der Große Saal selbst wird ebenso als historische Einheit empfunden. Auch hier werden Modernisierungen kaum wahrgenommen, da sie das Gesamtbild nicht entscheidend beeinflussen wie z.B. die Bestuhlung, die Scheinwerfer, die Lüftungsgitter etc.

·        Bei keinem anderen öffentlichen Gebäude der Stadt Heidelberg ist die Einstufung als denkmalgeschütztes Objekt nachvollziehbarer als hier: Fassade, Entree, Treppenhäuser, Säle und Nebenräume bilden eine Einheit. Veränderungen, auch wenn sie nicht unbedingt historisch korrekt sind - wie die Gestaltung des Bühnenhinter-grundes  - werden nicht als störend empfunden bzw. als spätere, nicht originale Veränderung erkannt. Das Bewusstsein, was es bedeutet, sich in einer denkmalgeschützten Einheit zu bewegen, wird hier wie an keinem anderen Ort in Heidelberg – das landeseigene Schloss ausgenommen - geschärft. Insofern ist dieses in seiner Art einzigartige Kulturdenkmal gerade für jüngere Generationen von großer Bedeutung. Diese hat sonst in Heidelberg keine Chance, ein denkmalgeschütztes, weitgehend intaktes Ensemble zu erleben und in seinem besonderen Wert zu begreifen.

·        Heidelberg hat kaum Zerstörungen im Weltkrieg erlebt und dennoch ist in den Jahrzehnten danach ein Verlust an historischer Bausubstanz zu verzeichnen, der stadtbildprägend ist, wie beispielweise der Bismarckplatz zeigt. Ähnliches gilt für das Innere zahlreicher Gebäude, die durch Modernisierungen im Stil der Zeit wesentlich an Qualität verloren haben wie beipielsweise der alte Theatersaal. Eine weitgehend intakte historische Substanz ist aber ein schützenswertes Kulturgut, dem sich andere Erfordernisse unterordnen müssen, besonders wenn keine absolute, zwingende Notwendigkeit für eine Veränderung besteht und wenn sich die beabsichtigten Veränderungen sichtbar am Zeitgeist orientieren.

Zum Umbau -  mögliche Aspekte:
 
·       Die Tatsache, dass der denkmalgeschützte Innenraum veränderbar ist bzw. immer wieder in den halbwegs ursprünglichen Zustand zurückverwandelt werden kann, täuscht darüber hinweg, dass der historische Innenraum gerade im Konzertbetrieb nicht mehr als Konzertraum in einer seiner ursprünglichen Funktionen erlebbar sein wird. 
·       Die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Saales dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konzertsaal akustisch nur auf das eine W&W – Konzept ausgelegt ist. Eine Nutzung als Konzertsaal in der historischen Form ist in derselben akustischen Qualität nicht möglich.
 
·        Ein Umbau nach dem Entwurf von Waechter&Waechter verschränkt zwei gegensätzliche Raumkonzepte miteinander: In die historische Ausrichtung des Raumes nach Süden, also in Richtung Orgel, wird die Idee eines Zentralraumes eingepflanzt, in dem die Bühne als ein von allen Seiten einsehbarer Mittelpunkt betrachtet wird. 
 
·        Ähnlich wie im ‚Weinbergmodell’ wird die Bühne von allen Seiten von aufsteigenden Zuschauerreihen umgeben. Die meisten bisher im Parkett ebenerdig zu erreichenden Plätze werden nun nur noch über Treppen erreichbar sein.
 
·        Die Folge einer Neuausrichtung des Saales ist eine Zerstörung der bisherigen Einheit, ein gewollter Stilbruch. Dieser kommt neben den veränderten Proportionen besonders auch in einem Materialmix zum Ausdruck. Neue Oberflächen und Farben stehen im Kontrast zur historischen Ausgestaltung. Dies wird von denjenigen, die den Zweck in den Mittelpunkt stellen, eher akzeptiert als von denen, die den Erhalt der historische Einheit als grundsätzlich wertvoller erachten.
 
·        Bei zu steilen Reihen auf dem Balkon:  
Die Verwirklichung des W&W – Konzeptes kann zwar bedeuten, dass es möglich bleibt, den Saal im Parkettbereich wieder in seine historische Form zurückzuverwandeln. Im Balkonbereich bleiben allerdings die Veränderungen dauerhaft bestehen, sie sind nicht flexibel. Dies wird das Raumgefühl entscheidend beeinflussen, denn die Proportionen werden erheblich gestört, womöglich bleibt dort auch der Stilbruch, z.B. durch Absicherungen, dauerhaft und sichtbar bestehen.