Inhalt:

Zeitungsartikel und Leserbriefe, vornehmlich aus der Rhein-Neckar-Zeitung, in absteigender chronologischer Reihenfolge

 

© Rhein-Neckar Zeitung, Dienstag, 28. Dezember 2021, Seite 5 

 

Umbau der Stadthalle 

Unzulässig 

Auch wenn OB Würzner mantramäßig die Baugenehmigung herbeiredet, ist die momentane Lage eine andere. Eine Baufreigabe wurde nicht erteilt. 17 Nachbarn haben gegen die wasserrechtliche Erlaubnis Einwände und Bedenken geäußert, die Einspruchsfrist endete am 22. Dezember. Soll hier im Vorfeld Einfluss auf die entscheidenden Behörden genommen werden? Das Bauen im hochwassergefährdeten Bereich, das betrifft den Technikkeller und die Unterkellerung des großen Saals, stellt nach Ansicht der Nachbarn einen unzulässigen Eingriff in den Untergrund dar. Das sollte Berücksichtigung finden und muss unter Umständen vor Gericht geklärt werden. 

 

Dieter Strommenger, Heidelberg 

 

© Rhein-Neckar Zeitung, Dienstag, 28. Dezember 2021, Seite 5 

 

Umbau der Stadthalle 

Eben kein Weinberg 

In der jüngsten Berichterstattung über die Sanierung der Heidelberger Stadthalle (RNZ 21.12.) hat sich erneut ein leider tradierter Fehler eingeschlichen, da behauptet wird, es werde bei der Bestuhlung ein „Weinberg“ gebaut. Die geplanten leicht ansteigenden Reihen im Parkett haben mit einem „Weinberg“ nun gar nichts zu tun, sondern folgen der bei Um- und Neubauten bewährten Praxis, dem Publikum einen freien Blick auf die Bühne zu gewähren – eine Selbstverständlichkeit. Was hingegen ein „Weinberg“-Prinzip ausmacht, lässt sich leicht bei einem Blick etwa in die Berliner Philharmonie oder die neue Hamburger Elbphilharmonie erkennen: Dort scharen sich die Zuschauer rund um das Orchester, das quasi in der Mitte des Saales sitzt. Von dieser ursprünglich angedachten Idee ist man in Heidelberg schon vor Jahren abgekommen. Ich wage übrigens ohne jeden Zweifel die Prognose, dass die Besucher in Zukunft für die so sehr gescholtenen und nun endlich genehmigten Hubpodien dankbar sein werden. 

 

Bruno Dumbeck, Heidelberg 

 

© Rhein-Neckar Zeitung, Freitag, 10. Dezember 2021, Seite 6 

 

Stadthallen-Sanierung: Die Ängste bleiben 

Nicht verstanden 

Wenn der Stadtsprecher mit Bezug auf das neue hydrologische Gutachten, das die Eingriffe in den Grundwasserbereich bewertet, äußert, dass die Situation im Ahrtal aus fachlicher Sicht nicht vergleichbar sei, dann löst das bei mir Erstaunen aus. Sicher gibt es da keine hundertprozentige Vergleichbarkeit. Doch wer die Geschehnisse in 2002 in Dresden kennt, wo auch der Hauptbahnhof – weitab der Elbe – überflutet wurde, muss echte Zweifel haben an den Aussagen der Stadt und eventuell auch an dem Gutachten selbst. Unseren Verwandten in Euskirchen ist jüngst durch die Starkregenereignisse schwerer Schaden am Haus entstanden, obwohl das kleine Flüsschen Erft circa 600 Meter davon entfernt ist. Haben wir es hier in Heidelberg mit Leugnern des Klimawandels zu tun? Wer behauptet, dass bei diesem Projekt keine Gefahr droht, der hat den Ernst der Lage nicht verstanden und sollte mit seinem Privatvermögen haften. 

 

Wolfgang Weber, Heidelberg 

 


 © Rhein-Neckar Zeitung , Donnerstag, 9. Dezember 2021, Seite 3

Die Stadthalle darf umgebaut werden

Regierungspräsidium erteilt Baugenehmigung – „Eine tolle Nachricht für alle Nutzer“

Die Stadthalle am Neckarstaden ist seit August 2019 geschlossen. Foto: Rothe

Von Holger Buchwald 

Es ist ein wichtiges Etappenziel für den Architekten Felix Waechter und die Befürworter eines Stadthallenumbaus samt Hubpodien im großen Saal und neuer Technikzentrale unter dem Montpellierplatz: Das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) hat zwei Jahre und vier Monate nach der Schließung des Konzerthauses die Baugenehmigung erteilt. Kurz vor 16 Uhr verschickte die Behörde am Mittwoch ihre Pressemitteilung, wonach die Bedenken hinsichtlich des Denkmal-, des Hochwasser- und Lärmschutzes ausgeräumt seien. Damit seien die „baurechtlichen Weichen für das kulturelle Großprojekt gestellt“, so eine RP-Sprecherin. 

Der Ball liegt nun wieder bei der Stadt, die über die Baufreigabe entscheidet. Sobald diese vorliegt, könnten die Sanierungsarbeiten beginnen. Nur die Eingriffe in den Grundwasserbereich müssen noch zurückgestellt werden, denn die wasserrechtliche Genehmigung für den Bau der unterirdischen Technikzentrale und der „weißen Wanne“ unter dem Konzerthaus steht noch aus. Hierzu läuft seit diesem Donnerstag und noch bis 22. Dezember eine Online-Anhörung. 17 Hausbesitzer der Unteren Neckarstraße, der Bienenstraße und Bauamtsgasse hatten nämlich Einwendungen erhoben, weil sie fürchten, dass ihre Keller durch den Bau einer unterirdischen Barriere und die Beeinflussung der Grundwasserströme volllaufen könnten (wir berichteten). 

Es sei ein umfangreiches und komplexes Verfahren gewesen, betont Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: „Bei der Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen haben sich alle Beteiligten in einem konstruktiven Miteinander große Mühe gegeben, den Sorgen und Bedenken der Kritiker gerecht zu werden und bei alledem auch zu einem fachlich gut abgesicherten und ausgewogenen Ergebnis zu kommen.“ 

Die Stadthalle sei ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, so das RP, daher knüpfte das Landesdenkmalamt seine Zustimmung zur Baugenehmigung an zahlreiche Auflagen und Hinweise, die allein zehn Seiten füllen. Details dazu wurden aber am Mittwoch noch nicht bekannt. Etwas mehr kann die Behörde aber zum Hochwasserschutz sagen: „Das hydrogeologische Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass durch das Vorhaben keine Aufstaueffekte des Grundwassers zu erwarten sind, die sich auf Nachbargebäude auswirken.“ 

Nach monatelangem Warten freuen sich die Verantwortlichen bei der Stadt und ihren Tochtergesellschaften über das vorgezogene Weihnachtsgeschenk. „Es ist gelungen, für alle Anforderungen eine gute Lösung zu finden. Auch Bedenken von Kritikern sind in den Prozess eingeflossen, wurden mit großer Sorgfalt geprüft und wurden auch mit verschiedenen Lösungsansätzen aufgegriffen“, sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner. „Das ist eine schöne Meldung, eine tolle Nachricht vor allem für die Nutzer, die sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung der Stadthalle warten“, betonte „Heidelberg Marketing“-Chef Mathias Schiemer. 

Die Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH) als Projektträger rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Man wolle versuchen, sie durch Optimierungen noch etwas zu verkürzen. Sobald die Baufreigabe erteilt ist, kann es losgehen. „Die nächsten Schritte sind bereits vorbereitet“, sagte ein Stadtsprecher. Als Nächstes sei der Abbau des nicht-historischen Rondells am Montpellierplatz vorgesehen. Danach werden der Bau der Technikzentrale und weitere Rohbauarbeiten im Inneren der Stadthalle vorbereitet. Der Umbau soll komplett über Spenden finanziert werden, zum allergrößten Teil von Octapharma-Chef Wolfgang Marguerre. Er gibt bis zu 33 Millionen Euro für die Sanierung des Konzerthauses, 29 Millionen Euro sind bereits überwiesen. 

 

© Rhein-Neckar Zeitung, Dienstag, 7. Dezember 2021, Seite 3 

Stadthallen-Sanierung: Die Ängste bleiben 

Anwohner haben Bedenken gegen Eingriffe in den Untergrund – Hangwasser könnte gestaut werden und Keller volllaufen 

Das alte Parkett ist bereits herausgerissen, Architekt Felix Waechter möchte hier im großen Saal der Stadthalle Hubböden einbauen lassen. Anwohner fürchten aber durch die Arbeiten im Untergrund Auswirkungen auf ihre Häuser. Foto: Rothe 


Von Holger Buchwald 

Die Sorgen und Bedenken der Anwohner sind noch immer nicht ausgeräumt. 17 Hausbesitzer in der Unteren Neckarstraße, der Bauamtsgasse und Bienenstraße haben Einwände gegen die aktuellen Pläne zur Sanierung der Stadthalle und den Bau einer Technikzentrale unter dem Montpellierplatz erhoben. Mit einer behutsamen Ertüchtigung des Konzerthauses wären sie einverstanden. Ihnen geht es aber um die Eingriffe in den Untergrund und den Bau sogenannter „weißer Wannen“, um die Technik für die geplanten Hubböden zu schützen. Durch diese 130 Meter lange unterirdische Barriere könnten die Grundwasserströme gestaut werden und die Keller in der Nachbarschaft des Konzerthauses häufiger volllaufen, so die Befürchtung. Dadurch könnten die denkmalgeschützten Gebäude Schaden nehmen. 

Mehrere Briefe an das Umweltamt haben die Anwohner im Februar und im April dieses Jahres geschrieben – es sind Einwendungen gegen die Erteilung der wasserrechtlichen Erlaubnisse, die sowohl für die Stadthallensanierung als auch für die neue Technikzentrale erforderlich sind. Am 21. Juni antwortete Umweltamtsleiterin Sabine Lachenicht mit einer Zwischennachricht: „Da die Recherche zu den hydrogeologischen Verhältnissen mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wir angenommen haben und kurzfristig weitere Erkundungsmaßnahmen erforderlich sind, müssen wir Sie noch um etwas Geduld bitten.“ Sobald die Ergebnisse dem Umweltamt vorliegen, werde eine Online-Konsultation anberaumt. 

Mehr als fünf Monate warteten die Anwohner auf diesen Termin, jetzt endlich können sie sich informieren, ob ihre Bedenken berücksichtigt wurden. Mehrere Wochen sind die entsprechenden Internetseiten für die Einwender freigeschaltet. Unterdessen wundern sie sich, dass die Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz als Projektträger, „Heidelberg Marketing“als Stadthallenbetreiber und die Stadt als Auftraggeber schon vorab in einem RNZ-Artikel Mitte November damit rechneten, dass das Regierungspräsidium bald eine Baugenehmigung erteilen werde. Und sie wundern sich auch über die Aussage, dass das hydrogeologische Gutachten alle Bedenken wegen des Hochwasserschutzes ausräumen könne. 

In einem Brief an das Umweltamt der Stadt Heidelberg vom 14. Februar schreibt Erika Albert zusammen mit anderen Hausbesitzern von „massiven Eingriffen in das Erdreich unterhalb des Grundwasserspiegels“. 200 Bohrpfähle mit Durchmessern zwischen 70 und 120 Zentimetern und Längen von sieben bis zehn Metern müssten allein für den Bau der Technikzentrale in den unteren Buntsandstein getrieben werden. Um sie im Hochwasserfall gegen den Auftrieb zu sichern seien weitere 47 Mikropfähle nötig. Zusammen mit der „weißen Wanne“ unter der Stadthalle entstehe so eine Barriere. Besonders nach Starkregenereignissen könne das unterirdische Hangwasser nicht schnell genug abfließen und werde gestaut. Und das gefährde die Nachbargebäude. 

Die Hochwassergefahrenkarte ist in den Augen der Anwohner im Bereich der Stadthalle zudem fehlerhaft. Ausgerechnet der Montpellierplatz und die Stadthalle ragen laut dieser Karte wie eine Insel aus dem Bereich des hundertjährlichen Hochwassers (HQ100) heraus. Anwohner Dieter Strommenger hat aber ein Archivfoto aus dem Jahr 1947 aufgetan, das belegt, dass das Areal damals sehr wohl überflutet war. Daher, so die Schlussfolgerung der Anwohnergemeinschaft, dürfte dort nach der aktuellen Gesetzeslage ohne die Ausweisung von Überflutungsflächen nicht gebaut werden. 

Unterstützung bekommen die Anwohner von dem Physiker Prof. Hans Gutbrod. Das hydrogeologische Gutachten der Firma Töniges aus dem Jahr 2020, das die unterirdischen Bauten am Neckar als unbedenklich einstufte, ist in seinen Augen fehlerhaft. Der Gutachter habe einfach die zehn Jahre ältere Untersuchung aus den Plänen für den Neckarufertunnel übernommen und sei gar nicht darauf eingegangen, welches technische Risiko die „weiße Wanne“ für die Statik der Stadthalle berge. „Ich frage mich, warum macht man nicht eine Simulation der Dynamik der Wasserflüsse“, sagt Gutbrod. Und was die Gefahr für die Nachbargebäude und die Stadthalle selbst angehe, befürchtet er, Wetterereignisse wie im Ahrtal seien auch in Heidelberg durch Hangwasser vom Königsstuhl möglich. 

„Unsere Sorgen werden durch die mangelnde Kommunikation verstärkt“, betont Erika Albert. Offene Fragen würden nicht beantwortet, stattdessen würden die Verantwortlichen stets betonen, dass alle Zweifel ausgeräumt werden und bald mit den Bauarbeiten begonnen werden könne. Gutbrod: „Dann frage ich mich, warum legt man uns nicht die immer noch fehlenden Gutachten auf den Tisch, besonders das des Prüfstatikers, das letztendlich über die Baufreigabe entscheidet?“ Für Dieter Strommenger und seine Mitstreiter ist klar: Werden ihre Bedenken nicht ausgeräumt, werden sie gegen die Baugenehmigung klagen. „Ersatzweise verlangen wir, dass uns alle Schäden, die an unseren Häusern entstehen, ersetzt werden.“ 

© Rhein-Neckar Zeitung, Montag, 6. Dezember 2021, Seite 6 

 

Umbau der Stadthalle 

Endlich seriös werden 

Herr Karreh unterliegt leider einem großen Irrtum. Nicht das Handeln von Herrn Strommenger und weiterer Betroffener, die ihre berechtigten Nachbarrechte wahrnehmen, führte bisher zu Verzögerungen, sondern die gesamte Herangehensweise an Sanierung und Umbau der Stadthalle seitens der Verantwortlichen der Stadt ist unseriös und verantwortlich für den insgesamt zähen Prozess. So gibt es keinen soliden Zeitplan. Eine Bewertung aller mit dem Umbau verbundenen Risiken hinsichtlich der Machbarkeit, des zeitlichen Ablaufes und zur Entwicklung der Kosten liegt nicht vor, wie eine umfassende Akteneinsicht zeigte. 

Unerfreuliche Entwicklungen und scheinbare Verzögerungen einzelnen Bürgern anzulasten, hilft nur den Verantwortlichen, von den Planungsmängeln abzulenken. Stattdessen wäre es jetzt dringend notwendig, endlich einen seriösen Zeit- und Kostenplan mit Benennung aller Risiken vorzulegen. 

 

Karin Weber, Heidelberg 

 

© Rhein-Neckar Zeitung, Heidelberger Nachrichten, Donnerstag, 18. November 2021, Seite 8 

Antwort auf Leserbrief „Unseriös“ (16.11.) 

Gründlich misslungen 

Herr Karreh, für Sie doch bitte „Herr“ Strommenger. Falls das witzig sein sollte, ist Ihnen das gründlich misslungen, und seriös ist Ihr Brief schon gar nicht. Auch für Sie habe ich noch einmal die Entwicklung des Bauantrags mit seinen unbeantworteten Fragen zusammengefasst: Bereits im Februar 2020 habe ich Herrn Prof. Waechter beim RNZ-Forum im alten Theatersaal die Frage nach Problemen mit dem Grundwasser, Hochwasser und Starkregen gestellt. Er fand die Frage berechtigt. Am 31. August 2020 habe ich in einer Gesprächsrunde bei Baubürgermeister Jürgen Odszuck unter Teilnahme von Herrn Waechter, Herrn Streckel, dem Gutachter der Firma Tönniges und Vertretern des Bauamts die Besorgnis der Anwohner vorgetragen und zur Diskussion gestellt. Im März/Mai 2021 bekamen die Anwohner die Aufforderung vom Umweltamt via Stadtblatt, Bedenken und Einsprüche zu den geplanten Baumaßnahmen zu äußern. Das haben 14 Anwohner getan. Bis heute steht die Antwort aus. Warum im Jahr 2020 di